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Die Ursprünge von Sacramento gehen auf das Jahr 1839 zurück. Damals ließ sich Johann August Sutter hier nieder und gründete ein Fort, an dem die neuen Siedler vorbeikamen, die nach Westen zogen. Im Jahr 1848 stieß James Marshall, ein Mitarbeiter von Sutter, bei seinen Bauarbeiten auf das erste Gold und löste damit den großen Goldrausch aus. In den darauf folgenden Jahren ließen sich Tausende Goldsucher hier auf Sutters Ländereien nieder. Im Jahr 1854 wurde das bis dahin noch ländliche Sacramento zur Hauptstadt von Kalifornien auserwählt. Sehenswürdigkeiten in Sacramento, Kalifornien Sutter´s Fort kann noch heute besichtigt werden. Hier kann man sich einen guten Eindruck vom damaligen Leben der Pioniere verschaffen. Auf demselben Gelände steht auch das State Indian Museum. Dort wird gezeigt, wie das Leben der Ureinwohner (rund 100 Indianerstämme) ausgesehen hat. In Old Sacramento gibt es über 100 historische Gebäude, die im Stil der Jahre 1849 bis 1870 restauriert wurden. Ein Spaziergang versetzt die meisten Besucher in Wildwestromantik. Auch Kutschfahrten oder Führungen durch Old Sacramento werden angeboten. Die Sacramento Valley Railroad war die erste Eisenbahn Kaliforniens. Das State Railroad Museum beherbergt Lokomotiven und Waggons, mit deren Hilfe der Goldene Westen erschlossen wurde. Der damalige Bahnhof, die Central Pacific Passenger Station, liegt gegenüber vom Museum. Das kalifornische Parlament wurde dem Washingtoner Capitol nachempfunden, dementsprechend heißt es California State Capitol. Es gibt Führungen durch die imposanten, eleganten und historischen Tagungsräume der Abgeordneten. Eine Sammlung kalifornischer, europäischer und asiatischer Kunst befindet sich im ersten Kunstmuseum des Westens, dem Crocker Art Museum. Das im viktorianischen Stil gebaute Gebäude wurde bereits 1873 ins Leben gerufen und seitdem mehrfach erweitert. »Montag, 24., Tag, an dem am Ende des Grabens zum Wasserrad eine Art Metall gefunden wurde, das wie Gold aussah, zuerst entdeckt von James Martial, Boß der Sägemühle.« Diese Eintragung stammt aus dem Tagebuch eines gewissen Henry W. Bigler, der am Ufer des Coloma River half, für seinen Arbeitgeber Johann August Sutter eine Sägemühle aufzubauen. Er ahnte nicht, daß dieser 24. Januar 1848 den Wilden Westen wie ein gewaltiger Erdstoß mit jahrelangen »Nachbeben« erschüttern, Hunderttausende von menschlichen Schicksalen besiegeln und Amerika eine große Zukunft eröffnen würde. Dieser erste kalifornische Goldfund von Sutters Vormann, der in Wirklichkeit James W. Marshall hieß, löste eine Kettenreaktion aus, die sich um den ganzen Erdball fortsetzte. Das zu glauben, fällt heute schwer im Marshall Gold Discovery State Historic Park an der South Fork des American River. Dort steht die einfache, nach gebaute Sägemühle; am Flußufer sitzen ein paar Touristen mit Blechpfannen in den Händen und waschen winzige, schimmernde Metallblättchen aus dem Sand. Ein paar verwitterte Blockhütten unterstreichen den stark ländlichen Charakter Colomas, das heute hauptsächlich von den Gold-Touristen lebt. Sutter gelang es nicht, mit seinen Männern das »Geheimnis des Goldes« zu wahren. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht vom Eldorado des Westens. Bald war das ganze Land wie von einem furchtbaren Fieber ergriffen. Am 29. Mai 1848 erschien die letzte Ausgabe des »San Francisco Californian«. Die Zeitung war nicht etwa bankrott, ihr waren schlicht die Leser verlorengegangen, welche die Stadt in Scharen verlassen hatten. Zudem waren auch Nachrichtenredakteure, Feuilletonisten, Sportreporter und Setzer mit Schaufel und Hacke in die Berge aufgebrochen, um das große Glück und das schnelle Geld zu machen. US-Präsident James Polk heizte den Treck nach Westen weiter an, als er am 5. Dezember 1848 dem Kongreß in Washington D.C. von den Goldfunden berichtete. Damit war das Zeitalter des Goldrausches endgültig angebrochen, in dem über 450 Gold- gräberstädte aus dem Boden schössen, von denen 300 wieder ganz von der Landkarte verschwanden. Zwischen 1848 und 1865 buddelten vom Goldrausch besessene Schürfer und große Unternehmen in Kalifornien Gold im Wert von schätzungsweise 625 Millionen Dollar aus der Erde. Wirklich reich machte das Edelmetall allerdings nur wenige. Die meisten Digger mußten dem vermeintlichen Paradies bald den Rücken kehren, denn schon nach kurzer Zeit waren die leicht zugänglichen Fundstellen ausgebeutet. Zudem verlangten geschäftstüchtige Kaufleute und Barbesitzer wahre Wucherpreise, so daß sich viele das Leben in den Goldgräbercamps nicht mehr leisten konnten. Viele Digger kamen aber auch bei den großen Konzernen unter, für die sie weiter Gold schürften. Die neue Zeit Kaliforniens begann im Grunde genommen jedoch nicht in Coloma, sondern in der heutigen Hauptstadt Sacramento. Historischer Kern des 370000 Einwohner zählenden politischen Zentrums des Landes ist Sutter's Fort, eine von einer Mauer umgebene Festung. Seit 1947 wird das wieder aufgebaute Fort von der Nationalparkverwaltung betreut. Freiwillige in historischen Kostümen schmieden Eisen, ziehen Kerzen oder schreinern wie zu Sutters Zeit. Bau- und Hausherr war der 1803 im südbadischen Kandern geborene Johann August Sutter, der 1834 aus der Schweiz vor dem Schuldturm flüchtete und nach Amerika auswanderte. Über einen weiten Umweg via Wyoming, Oregon, Hawaii und Alaska erreichte er schließlich sein Traumziel Kalifornien. Der damals noch mexikanische Gouverneur Alvarado bot Sutter ein fast 20000 Hektar großes Siedlungsgebiet nach eigener Wahl an. Der Deutsch-Schweizer ließ sich in der Nähe des Zusammenflusses von Sacramento und American River nieder und gründete seine Kolonie Neu-Helvetien. Zu den Hoch-Zeiten arbeiteten dort 400 Indianer. Sutter hielt über 20 000 Stück Vieh und ließ Bewässerungs- systeme für die Landwirtschaft errichten. Damit bereitete er den Boden für die im 20. Jahrhundert entstehende Agro- industrie, die heute vor allem das Central Valley prägt.
Neu-Helvetien war zu Beginn des Jahres 1848 eine blühende Siedlung. Nach Bekanntwerden der Goldfunde überschwemmte eine Welle von Glücksrittern Sutters Land, der Besitz verkam. Sutter verkaufte sein ruiniertes Fort 1849 für 7000 Dollar. 1865 kehrte er impire Mine dem amerikanischen Westen als gebrochener Mann für immer den Rücken, um sich in der Nähe von Philadelphia niederzulassen. Den Rest seines Lebens widmete er erfolglos dem Kampf um seinen verloren gegangenen Besitz in Kalifornien. Am 18. Juni 1880 starb der »Kaiservon Kalifornien«-unterdiesem Titel verfilmte Luis Trenker seinen eigenen Roman über Sutter - in einem Hotelzimmer in der amerikanischen Hauptstadt.Auf dem von Sutter bereiteten Boden entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das heutige Sacramento, zunächst ein Nachschubzentrum für die Goldgräbercamps in der Sierra, seit 1854 Sitz von Parlament und Regierung, seit 1856 auch Kaliforniens erster Bahnanschluß. Heute führt die Stadt im Vergleich zu den großen Metropolen des Landes wie San Francisco, Los Angeles oder San Diego ein Schattendasein. Doch finden sich in Sacramento außer Sutter's Fort einige lohnende Spuren der Vergangenheit. Der imponierende Kuppelbau des Kapitals, in einem wunderschönen Park mit vielen Baumarten gelegen, wurde zwischen 1869 und 1874 errichtet. Wie damals die restliche Stadt aussah, zeigt Old Town. Vom Parlament führt die Capitol Mall direkt in diesen historischen Bezirk, der nach 1965 mit Millionenaufwand aus staatlichen wie privaten Quellen im Stil der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts restauriert oder sogar wiederaufgebaut wurde. Nachts werfen verschnörkelte Gaslaternen ihr Licht auf überdachte Gehsteige aus groben Holzdielen. In alten Ziegelgebäuden haben sich T-Shirt-Läden und Restaurants eingerichtet, und als Reminiszenz an den alten Westen lassen sich viele Stadtbesucher von einer nostalgischen Pferdekutsche durch die Straßen fahren. Im Osten von Sacramento endet das flache Central Valley in den Ausläufern der Sierra Nevada, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts den Beinamen Gold Country tragen. Diese bergige Region zwischen Oakhurstund Vinton im Norden, heute verbunden durch den Highway 49, bildete damals das Epizentrum des Goldbergbaus, an dessen Peripherie andere berühmte Schürfplätze lagen. Zu diesen »Randerscheinungen« zählt etwa Bodie an der Westflanke der Sierra nördlich des Mono Lake. Auf einer vom Wind glattgebürsteten Hochebene 2500 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, ragen die Überbleibsel der ehemaligen Bergbaustadt wie eine vergessene Filmkulisse aus einem Meer von Beifußbüschen. Der als dekoratives Freilichtmuseum verwaltete Ort mit seinen windschiefen Holzhäusern und vor sich hin rostenden Bergbaugeräten gehörte zu den »Spätberufenen« des kalifornischen Goldrausches. Als an der Westflanke der Sierra Nevada gute Fundstellen immer seltener wurden und die Ausbeute stetig sank, konzentrierten sich die Prospektoren und Glücksritter auf den Osten des Gebirgs-zuges und förderten in Bodie Gold im Wert von 85 Millionen Dollar. Kaum ein Camp war damals so verrufen wie dieses. Dabei herrschte im ganzen Gold Country zwischen 1849 und 1860 Anarchie: Mexiko hatte die Herrschaft über das Land an die Union abgegeben, aber diese war nicht in der Lage, für Recht und Ordnung zu sorgen. Schießereien, Mord, Totschlag und Lynchjustiz waren an der Tagesordnung. In der Stadtchronik Bodies ist das Gute-Nacht-Gebet eines Mädchens vermerkt, das sich angesichts des bevorstehenden Umzuges seiner Eltern in die Bergbaugemeinde mit den Worten verabschiedete: »Leb wohl, lieber Gott, ich muß nach Bodie.« Vom ersten Fundort Coloma dehnte sich das Goldfieber seit 1848 wie ein Flächenbrand aus. Und mit der Sucht nach dem schnellen Reichtum kamen auch Neid, Habgier und Kriminalität. Berühmt wurde in diesem Zusammenhang die Ortschaft Placerville, die als eines der ersten Bergbaucamps 1848 entstand. Bereits ein Jahr später war die Siedlung unter dem Namen Hangtown bekannt, weil ihre Bewohner mit zahlreichen Räubern kurzen Prozeß machten und sie am nächsten Baum aufknüpften. Später wurde sie als Etappenziel an der Pony-Express-Postlinie bekannt, an die heute noch ein Denkmal erinnert, sowie durch den Wagenbauer J. M. Studebaker, der im Bundesstaat In-diana Jahre später eine Automobilfabrikation gründete.Auf dem nördlichen Abschnitt des Highway 49 konzentrierte sich der Goldbergbau hauptsächlich auf Orte wie Auburn, Grass Valley, Nevada City, Camptonville und Downieville. Grass Valley jedoch hatte nicht nur wegen seiner effektiven industriellen Goldproduktion einen besonderen Namen, sondern auch durch eine Einwohnerin, um deren Leben sich seit Jahrzehnten Legenden ranken. Die Mill Street war einige Jahre lang die Heimat der irischen Tänzerin Lola Montez, die in Europa Aufsehen erregt hatte durch ihre Liaison mit dem Bayernkönig Ludwig l. sowie durch ihre Bekanntschaft mit Franz Liszt, George Sand, Victor Hugo und Alexandre Dumas. In Grass Valley trat sie von Zeit zu Zeit zusammen mit ihrem zahmen Tanzbären in einschlägigen Lokalen auf, in denen die Goldschürfer ihren mühsam verdienten Goldstaub verpulverten. Alte, schöne Hausfassaden zeugen hier wie in Nevada City davon, daß manche am Goldrausch nicht schlecht verdienten - auch wenn sie nicht mit blaugefrorenen Händen in eiskalten Bächen Nuggets aus dem Sand wuschen. |